Wenn es um Leckereien aus dem Meer geht, gibt es auf dem berühmten Fischmarkt Tsukiji nichts, was es nicht gibt. Mehr als 2000 Tonnen Fisch und Meeresfrüchte werden hier täglich umgesetzt, von der Sardelle bis zum viereinhalb Meter langen Thunfisch, von Shrimps bis zu riesigen Krebsen mit absurd langen Beinen.

 

Krustentiere harren ihres Schicksals

Die „Küche Tokios“ wird der Markt auch genannt, weil er die Bewohner der Stadt täglich mit frischen Lebensmitteln versorgt. Der Tsukiji-Fischmarkt liegt direkt neben dem teuren Shopping-Viertel Ginza. In Vorbereitung auf die Olympischen Spiele 2020 sollte der Markt eigentlich schon im November 2016 ein neues Zuhause bekommen, um Platz für eine neue U-Bahnlinie zu machen. Der Umzug wurde allerdings schon mehrfach verschoben.

Der äußere Fischmarkt ist für alle zugänglich. Im Gewirr kleiner Zugangsstraßen gibt es etliche Restaurants, mit Sushiköchen, die jeden einzelnen Gast im Chor mit einem energisch gerufenen „Iterasshaimase!“, begrüßen – was so viel heißt wie „Willkommen!“. Darum herum Essensstände und Läden mit getrocknetem Meeresfrüchte-Allerlei, Obst, Gemüse, Souvenirs und Keramik.

Das Auge kauft mit: Ein Verkäufer arbeitet an seiner Auslage

In zwei Hallen finde ich dann den frischen Fisch. Mit dem Hamburger Fischmarkt kann man das kaum vergleichen – es ist überraschend leise, keine Marktschreier, kaum Musik. Die Verkäufer legen Wert auf Ästhetik: Fisch, Muscheln und Krebse sind kunstvoll zwischen Eiswürfeln drapiert. Außerdem ist das hier definitiv der sauberste Fischmarkt, den ich je erlebt habe. Nichts stinkt und auf dem gesamten Markt entdecke ich nur eine einzige Fliege, obwohl heute ein ziemlich warmer Tag ist.

 

Walsteak interessiert hier wohl mehr Touristen als Käufer

Eigentlich hätte ich nicht damit gerechnet, doch am Ende der Frischfischhalle werde ich fündig: Ein ganzer Stand mit Walfleisch. Davor versammeln sich ein paar neugierige Touristen, als ein Verkäufer ein saftiges Walsteak für einen Kunden abschneidet. Von welcher Walart stammt das Fleisch, wo kommt es hier? Sorry, no English.

 

Nach einem späten Sushi-Frühstück dringe ich vor in das eigentliche Herzstück des Tsukiji-Markts: die Großhandelshalle. Besucher sind hier erst ab 11 Uhr zugelassen, und dann ist eigentlich schon alles vorbei. Um 5:30 Uhr, wenn die Thunfischauktion anfängt, muss hier die Hölle los sein. Rund 14.000 Händler arbeiten in den schmalen Gängen der alten Halle. Dazu kommen 35.000 Kunden, die versuchen, die besten Stücke zu ergattern. Jetzt lässt sich der Trubel nur noch erahnen. Kleine Elektrowägen flitzen hin und her, Styroporboxen quietschen, während Händler die unverkaufte Ware wegpacken.

Der innere Fischmarkt: Um 11 Uhr ist schon alles vorbei

Hier und da erspähe ich noch ein paar lebende Fische, die in flachen Becken matt mit den Flossen wedeln. Ich schaue fasziniert zu, wie gefrorene Thunfische mit der Bandsäge in Stücke geschnitten werden. Ob hier auch Walfleisch versteigert wird? Ich nehme mir einen zweiten Besuch vor – vielleicht gibt es ja eine Sondergenehmigung für einen Besuch vor 11 Uhr.

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