Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Meine Recherchereise neigt sich dem Ende. Sechs Wochen war ich in Vietnam unterwegs und haben mit Menschen über den Klimawandel gesprochen. Einige Menschen mit denen ich mich unterhalten habe, litten zwar unter den extremen Wettereignissen wie Taifunen und starkem Regen, aber kannten das Wort Klimawandel nicht. Im Bergdorf Dungknu bei Dalat sprach ich mit dem Dorfältesten Cil Mup Ha Pai (76). Er sagte mir, dass das Wetter früher berechenbarer gewesen sei. Nun gebe es manchmal starken Regen oder längere heiße Wochen in der Region, wo es sonst immer milde 15 bis 20 Grad sei.

Der Klimawandel wirkt sich überall im Land anders aus

Vietnam ist ein riesiges Land. Insgesamt gibt es 3.260 Kilometer Küste. Vom Nordzipfel bis zum südlichsten Punkt sind es 1.650 Kilometer. Dazwischen liegen Berge, Seen, zwei Deltas, Inseln und Flüsse. Vietnams Landschaft ist vielfältig. Genauso unterschiedlich sind auch die Folgen des Klimawandels auf die verschiedenen Regionen. Während es in den Städten bei starkem Regen oft zu Überflutungen kommt, leidet der Norden unter Erdrutschen und im Süden kommt der starke Regen, ins Landesinnere vordringendes Salzwasser und der Strom des Mekongs zusammen.

Im Dorf Dungknu bei Dalat kommt es bei starken Regenfällen immer wieder zu Erdrutschen.

In Touristenstädten wie Hoi An, Ninh Binh, der Halongbucht und Mui Ne leiden besonders die Menschen unter dem Klimawandel, die in der Touristenbranche arbeiten. Im Mekongdelta und in der Bergregion rund um Dalat treffen die Folgen des Klimawandels besonders die Landwirte. Die Reisbauern im Mekongdelta verlieren ihre Ernten, weil sich das Wetter verändert. An der Küste bauen viele Landwirte kein Obst mehr an, sondern züchten Fische. Denn das Salzwasser dringt immer weiter ins Landesinnere vor. In der Bergregion Dalat beginnen die Frauen Kidneybohnen anzupflanzen anstatt Reis. Die sind resistenter dem wechselnden Wetter und brauchen weniger Pflege. Die Menschen passen sich an den Klimawandel an, auch wenn sie das Wort nicht kennen.

40 Prozent des Mekongdeltas werden 2100 überflutet sein

Mein Fazit: In Europa reden wir über Klimawandel, in Vietnam leben die Menschen bereits mit den Folgen. Forscher sagen voraus, dass etwa 40 Prozent des Mekongdelta bis 2100 überflutet sein werden. Durchschnittlich wird die Temperatur im Land 2 bis 3 Grad ansteigen. Die Menschen im Mekongdelta passen sich Schritt für Schritt an. Sie leben mit dem Wasser.

Leben mit dem Wasser im Mekongdelta. Zum Transport von verschiedensten Dingen nehmen die Menschen nicht das Auto, sondern das Boot.

Ich habe in den sechs Wochen viele Menschen getroffen, viele Regionen gesehen und viel gelernt. Vielen Dank an die Heinz-Kühn-Stiftung, die diese Recherche ermöglicht hat.

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