Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

„Wenn du am Nachmittag Zeit hast, könnten wir uns ein Fußballspiel ansehen“, schreibt mir ein simbabwischer Kollege am ersten Sonntag meines Aufenthalts. „Simbabwes Nationalmannschaft spielt heute gegen Lesotho.“ Ein paar Stunden später sitzen wir im Auto, sein kleiner Sohn auf dem Rücksitz, und fahren zum Nationalstadion im Südwesten der Hauptstadt Harare. Am vorherigen Wochenende hatte hier noch die große Trauerfeier für Robert Mugabe stattgefunden, heute gehörte das Stadion wieder dem Sport. Nur die Flaggen, sie sind noch auf Halbmast, so wie sonst überall in der Stadt.

Auf der Fahrt zum Stadion sehen wir in der Ferne auf einem Hügel „Heroes Acre“, den Ehrenfriedhof, wo hauptsächlich Unabhängigkeitskämpfer bestattet sind. Gerade wird dort ein Mausoleum für Simbabwes verstorbenen Langzeit-Machthaber errichtet; so lange sollen die Flaggen im ganzen Land auf Halbmast bleiben.

Wir gehen an einer solcher Halbmast-Flagge vorbei durch den Haupteingang des Stadions, wenige Minuten nach dem Anstoß. Als wir die Treppen zu den unteren Sitzplätzen, näher am Spielfeld, herunterklettern, sehen wir auf den umliegenden Tribünen viel Beton: Es sind vielleicht ein paar hundert Menschen im Stadion. Klar, bei der heutigen Partie geht es um wenig, es ist ein Qualifying für die afrikanische Nationenmeisterschaft, im Oktober soll noch ein Rückspiel in Lesotho stattfinden.

Heimspiel: Simbabwe gegen Lesotho
Go Zim: Simbabwe (in gelben Trikots) empfängt Lesotho (grün)

Trotzdem, dass so wenige Fans zum Heimspiel gekommen sind, sei eher ein Ausdruck der wirtschaftlichen Krise, sagt mein Kollege: Die Menschen müssten jeden Zim-Dollar dreimal umdrehen, bevor sie ihn ausgeben – wenn sie überhaupt das Glück haben, dass ihr Einkommen die Grundbedürfnisse stillt und auch noch darüber hinaus Raum für etwas Luxus lässt.

Die Inflationsrate ist Berichten zufolge auf 280% geklettert, seit einigen Monaten ist der Kurs der „Bond Notes“ nicht mehr an den US-Dollar gekoppelt. Vorher handelte es sich um Schuldscheine, die die Knappheit an Dollar-Bargeld überbrücken sollten. Allerdings löste sich der Kurs der Bond Notes auf dem Schwarzmarkt dann doch von dem des US-Dollars – ganz einfach, weil erstere jenseits der Landesgrenzen nichts wert sind. Die damals gestartete Inflationsspirale gewinnt seitdem weiter an Fahrt.

So richtig in Fahrt kommt Simbabwes Nationalmannschaft erst in der zweiten Hälfte der ersten Halbzeit, nachdem sich das Match vornehmlich vor dem Tor der Gastgeber abspielte. Dann, mit einer schönen Flanke von rechts außen und einem präzisen Abschluss, geht Simbabwe in Führung. Weil es sich zum Torjubel gerade anbietet, sei an dieser Stelle an eine Besonderheit der Fankultur im südlichen Afrika erinnert, die großen Teilen der Welt erst seit der WM 2010 in Südafrika ein Begriff ist: die Vuvuzela.

Die Tröte ist in der teleskopierbaren Plastik-Ausführung auch im Stadion erhältlich, und der kleine Sohn meines Kollegen hat unüberhörbar Spaß mit seinem blau gefärbten Exemplar. Für das Bienenschwarm-artige Summen wie damals bei der WM sind allerdings zu wenige Vuvuzela-Bläser im Stadion, sodass einzelne Fanfaren immer gut herauszuhören sind. Wirklich laut wird es aber nur beim Jubel über die Tore der in gelb spielenden Gastgeber – insgesamt drei Mal.

National Sports Stadium, Harare
Abendstimmung vor dem National Sports Stadium in Harare

In den letzten Sekunden der Nachspielzeit erhält Lesotho noch einen Elfmeter, das Spiel endet mit einem 3:1-Sieg für Simbabwe. Als wir den Heimweg antreten, taucht die Sonne das Nationalstadion in goldenes Licht.

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