Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Das Steak brutzelt auf dem Grill. Mightypower prüft mit dem Finger, ob es durch ist. „Es ist noch nicht so weit.“ Der junge Mann mit dem lustigen Namen und der großen weißen Mütze ist Koch-Azubi im NICE. Dies steht für Namibian Institute of Culinary Education und ist ein Windhoeker Restaurant mit einer angeschlossenen Koch­schule. Mightypower ist 22 Jahre alt und in seinem zweiten Lehrjahr. In ein paar Wochen stehen seine letzten Prüfungen an. „Kochen ist meine Passion, mein Traum, schon seitdem ich klein bin“, erzählt er und lacht. Die Küche ist aufgeteilt in mehrere Arbeitsbereiche. Heute Abend ist er der Herr über den Grill. Die Küche ist offen, jeder Kunde, der ins Restaurant geht, kommt vorbei und kann einen Blick hineinwerfen. Gerade kochen vier ausgebildete Köche und fünf Lehrlinge.

Mightypower und Stephan Brückner (v.l.)

„Das Konzept ist Training on the Job“, erklärt Stephan Brückner, Chef des Restaurants. Er ist in Windhoek aufgewachsen, hat in Berlin studiert. In diesem Haus, in dem jetzt dutzende Köche ausgebildet werden, lebte schon sein Großvater. Der Arzt erwarb es 1920, damals stand es noch am Stadtrand. Es war für ihn ein kurzer Weg zur Arbeit im katholischen Krankenhaus. Auch seine Eltern wohnten hier. Die zogen vor ein paar Jahren aus, das Haus sollte verkauft werden. Dann hatte Stephan Brückner die Idee, eine Kochschule zu gründen. Im Süden Namibias führt er eine Lodge und leidet seit Jahren unter chronischem Koch-Mangel. „Es gibt jetzt in Namibia eine Aus­bildung an der Fachhochschule, aber da machen im Jahr vielleicht 20 Absolventen ihren Abschluss. Das reicht einfach nicht, den wachsenden Tourismussektor zu bedienen.“ Brückner bildet also für den Eigenbedarf, aber auch für andere Lodges und Hotels aus. „70 Prozent der jungen Leute gehen dann zur Konkurrenz“. Das Engagement wird goutiert. Momentan finanziert sich die Schule u.a. durch staatliche Zuschüsse: Ein Teil der US-amerikanischen Entwicklungshilfe für Namibia fließt in den Ausbildungsbereich des zukunftsträchtigen Tourismussektors. So zahlen die Studenten noch nichts für die Ausbildung, die pro Kopf und Jahr umgerechnet 4.000 Euro kostet. Gerade haben 30 neue Azubis angefangen, 15 sind im zweiten Jahr und im Juli fangen wieder 30 an. Wenn die Studenten sich allerdings daneben benähmen oder sich nicht anstrengen würden, müssten sie ein Drittel der Kosten (ca. 1.300 Euro pro Jahr) übernehmen. Aber der Jahrgang sei sehr engagiert. Ein Teil der staatlichen Zuschüsse wird außerdem immer erst dann überwiesen, wenn die Studenten die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen und eine Arbeitsstelle gefunden haben.

Ein Blick in die Küche

Als nächstes Ziel soll die Ausbildung erweitert werden. Aktuell dauert sie zwei Jahre und beinhaltet drei Stufen mit verschiedenen Prüfungen. Level eins und zwei erreicht man nach sechs Monaten. „In dieser Zeit werden die Studenten mit der Küche in Berührung gebracht.“ Dann müssten sie entscheiden, ob sie wirklich Koch werden wollen. 50 Prozent der Studenten würden da meist rausfallen, so Brückner. Dann folgt der dritte Level, der dauert noch einmal 18 Monate. „Aber dann ist man noch kein Chefkoch. Dann ist man in der Lage, in irgendeiner Hotel- oder Lodgeküche einen sinnvollen Beitrag zu leisten.“ Das Ziel ist eine dreijährige Ausbildung mit fünf Levels inklusive einer Spezialisierung z.B. zum Saucier, also einem Spezialisten für Saucen oder zum Patissier, dem Küchenkonditor. Die Absolventen sollen dann ein staatliches Zertifikat erhalten. Hierfür arbeiten das NICE und die verantwortliche Behörde für Ausbildungen, die Namibia Training Authority (NTA), eng zusammen: „Das Thema Berufsausbildung steckt in Namibia noch in den Kinderschuhen und wird entwickelt von Seiten des Staates. Wir sind da als Pilotobjekt ausgewählt worden.“, erzählt Brückner stolz.

 

Fotografie im Restaurant

Mightypower hat bereits die nächste Bestellung bekommen und klopft das rohe Steak von einer Oryx-Antilope mit dem Hammer flach. Er gibt Öl, Salz und Pfeffer dazu und legt es auf den Grill. Nebenan beobachtet er eine Kollegin aus dem ersten Lehrjahr. Sie bereitet eine braune Bratensauce vor, die nicht dick werden will. Er gibt ihr Tipps und lacht wieder. Der heutige Küchenchef Timus lobt seinen Lehrling. Er sei enga­giert und könne gut mit Leuten umgehen. Man sähe es einfach an seinem Lachen. Mightypower will nach seiner Ausbildung in verschiedenen Küchen arbeiten. In fünf bis zehn Jahren will er ein eigenes Restaurant oder Cateringunternehmen führen oder Chefkoch in einem Fünfsternehotel oder auf einem Kreuzfahrtschiff sein. „Ich will irgendwas Großes machen. Wir jungen Namibier haben eine Chance. Wir müssen nur hart arbeiten und an uns glauben.“

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