Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Über den Wolken

Der erste Blick auf die Philippinen: Durch die mächtigen weißen Wolkentürme sehe ich Grün und Berge. Und die Küste, allerdings ist das Wasser eher grau als türkis. Ich war schon einmal hier, nur kurz, im Urlaub. Ich weiß ein bisschen, was mich erwartet. Aber dieses Mal geht es um etwas anderes. Nicht um das Urlaubsparadies, in dem verliebte Pärchen vor einsamen Traumstränden in Korallenriffen schnorcheln gehen. Und darum sucht mein Blick dieses Mal ganz bewusst nach den Armenvierteln am Flusslauf, die mich bei meinem ersten Besuch so erschrocken haben. Bei meiner Recherche geht es auch um die Armen in den großen Städten, die den Naturgewalten am meisten ausgeliefert sind. Als Taifun Ondoy Manila 2009 traf, waren es die Menschen in diesen Vierteln, die von den Fluten der anschwellenden Flußläufe weggespült wurden. Jetzt wohnen sie wieder hier. Sie dürfen nicht, die Regierung verbietet es ihnen. Aber duldet die Siedler dann doch – weil die Stadt noch keine Alternative bieten kann. Klimawandelanpassung der Städte ist ein Stichwort, dem ich nachgehen möchte bei meiner Recherche zum Taifun Haiyan. Aber nicht hier, sondern im Süden, in Tacloban. Dennoch: Manila ist der Ausgangspunkt meiner Reise. Und da sind sie: Die Wolkenkratzer. Die Wellblechhütten. Dicht an dicht. Wir tauchen ein.

 

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Welcome to Manila!

Das ist die schlimmste Rush Hour, die ich je erlebt habe. Christian, der hier arbeitet, hat mich schon gewarnt: Wenn du Taxi fährst, bring Zeit mit. Das Taxameter zeigt 58 Minuten an und die zurückgelegte Strecke: 400 Meter! Immerhin kostet mich das bisher erst 3 Euro. Das Basketballspiel im tierisch lauten Radio ist inzwischen schon im dritten Viertel und der Flughafen ist immer noch in Sichtweite. Erste Erkenntnis: Manila hat ein Verkehrsproblem. Der Taxifahrer tut mir ernsthaft Leid. Er lehnt resigniert mit den Unterarmen auf dem Lenkrad. Gibt gequälte Laute von sich. Genervtes Schnalzen. Inzwischen ist es dunkel. Als ich das Fenster runterlasse um ein Foto zu machen, quillt feuchte, stickige Luft in den unterkühlten Innenraum. Sie stinkt nach Abgasen. Der Taxifahrer ist ausgestiegen und zum Straßenrand geschlendert. Ich sitze alleine im Auto. Und genau jetzt geht es natürlich weiter. Er rennt zurück. Juchzt laut. Die Freude hält nur kurz. Das Taxameter zeigt 500 Meter. Immerhin.

 

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Schmuddelig, stickig, lebendig

Das Viertel in dem ich wohne heißt Makati. Geh da hin, wenn du dir abends auf der Straße nicht in die Hose scheißen willst, hat mir meine Freundin Nadine vor der Reise gesagt. Sie war schon oft hier. Grauer Beton, ein Gewirr von Stromkabeln, karge Beleuchtung. In diesem Viertel gibt es einige größere Hotels, in denen Ausländer absteigen. Die Straße runter finde ich Bens Falafelladen, Starbucks und viele Bars mit lauter Musik. Auch nicht anders als anderswo, denke ich. Aber dann ist da ein Parkplatz mit Straßenständen, da wird Fleisch an Spießen gegrillt und es gibt Lechon – Spanferkel. Eine Band spielt Rockmusik, und zwar laut und ziemlich gut. Leute sitzen an Plastiktischen um Bierflaschen und sind ausgelassen. Die Stimmung ist super. Ich bleibe eine Weile, trau mir die Fleischspieße zweifelhafter Herkunft an meinem ersten Abend dann aber doch noch nicht zu. Eins bleibt aber hängen: Im Hostel, im Restaurant in dem ich später esse, im Supermarkt, bei Starbucks – wirklich jeder hier ist wahnsinnig nett und herzlich zu mir. Morgen, wenn der Jetlag weg ist, bin ich dann auch mittendrin.

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