Stipendiaten der Heinz-Kühn-Stiftung bloggen ihre Recherchen und Erlebnisse.

Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, Nebelschwaden, frostiger Boden. In Gorhajk, einem Dorf in der südlichsten Provinz Armeniens, Syunik, fühlt sich der Oktober anders an. Während es in Eriwan tagsüber noch immer stickig warm sein kann, bereiten sich hier die Dorfleute auf den Winter vor. Das Vieh wird geschlachtet, die Konservendosen gefüllt.

Ich habe meinen Wecker auf 6.30 Uhr gestellt. Heute will ich erleben, wie der Morgen im Dorf abläuft. Es dauert eine Weile, bis ich mich endlich aus dem warmen Bett quäle. Es ist eiskalt im Zimmer. Als ich nach einigen Minuten aus dem Haus trete, hat das Leben im Dorf längst begonnen.

Nacheinander treiben die Bauern ihr Vieh aus den Ställen. Die Tiere trotten langsam auf ein kleines Feld, unmittelbar am Straßenrand. Ich trotte mit. Und ernte dafür verwunderte Blicke von den Dorfbewohnern.

In Gorhajk leben knapp 100 Familien. Das kleine Dörfchen liegt auf ungefähr 2000 Metern Höhe und ist umgeben von zahlreichen Hügeln. Im Frühsommer sind sie bedeckt von bunt blühenden Blumen. Jetzt im Herbst sind die Berge leuchtend gelb, das Gras ist vertrocknet.

Ab dem Straßenrand übernehmen die Hirten das Vieh. Die Männer sind warm eingepackt, tragen alte Militäruniformen, Mützen und Handschuhe. Mit Hunden und Pferden treiben sie die Kühe über die Straße auf den Berg, der direkt gegenüber vom Dorf liegt.

Nach einigen Minuten ist das Feld, was eben noch voller Kühe war, wie leergefegt. Nur einige dampfende Kuhfladen zeugen noch davon, dass hier gerade noch hunderte Tiere standen. Die Kühe verschwinden langsam in der Ferne, sind mittlerweile nur noch kleine Flecken auf den mit Reif bedeckten Wiesen des Berges. In Gorhajk hat ein neuer Tag begonnen.

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