Manaus: Der Mittelpunkt der Welt

Ich bin bereits seit einigen Wochen in Brasilien – und dass ich es bislang noch nicht geschafft habe zu bloggen, hat zwei Gründe. Erstens: Die Distanzen im Amazonasgebiet sind enorm. Bus- und Bootsfahrten von zwei, drei Tagen (ohne Internet) für ein Interview sind eher die Regel als die Ausnahme. Zweitens: Manaus, Ausgangspunkt für viele dieser Bus- und Bootsfahrten, hat zu viel zu bieten. Und das hat einen Grund.

Bei meinem ersten Besuch fand das Amazonas-Filmfestival „Olhar do Norte“ statt: Vier Tage voller Filmscreenings ausschließlich aus und über den Amazonas. Unter anderem dabei: ‚Mãri Hi – A Árvore do Sonho“, ein Film des Yanomami-Filmemachers Morzaniel Ɨramari. Der Film wurde auch bei der diesjährigen Biennale in Venedig gezeigt.

Bei meinem zweiten Besuch fand das „GLocal-Festival“ statt. Drei Tage voller Workshops, Vorträge, Musik und Debatten. Der Fotograf Christian Braage (https://www.nationalgeographicbrasil.com/fotografo/christian-braga) berichtete von zehn Jahren Arbeit aus und über das Amazonasgebiet. Der indigene Schriftsteller Daniel Munduruku und Maickson Serrão (Podcast-Host von Pavulagem, über Mythen aus dem Amazonasgebiet) debattierten über die Bedeutung des Geschichten-Erzählens um den Amazonas am Leben zu halten. Und Maria Gadu, Musikerin und Umwelt-Aktivistin, spielte nicht nur ihre bekanntesten Songs, sondern bot auch politischen Debatten eine Bühne.

Bei meinem dritten Besuch: Rock-Festival vor dem Amazonas-Theater und Gratis-Konzerte Marquinhos Negritude. Seine Show: Eine Liebeserklärung an Manaus und den Rio Negro. Und ein Aufruf an die Welt, den Amazonas zu erhalten.

Was alle Shows, Debatten, Vorträge und Filme gemeinsam hatten: Ein starkes Bewusstsein dafür, dass der Amazonas der Mittelpunkt der Welt ist: 15 Prozent aller Süßwasser-Reserven liegen hier. Genau wie die größte Biodiversität der Welt – und unzählige Rohstoffe, die Fluch und Segen zugleich sind. Gleichzeitig speichert das Amazonasbecken enorme Mengen an Co2 – und beeinflusst das Klima in Brasilien und der Welt. Es stimmt also, was der Journalist Jonathan Watts immer wieder betont: Hier, Tagesreisen von der Hauptstadt Brasilia oder von den wirtschaftlichen Zentren des Landes, liegt der Mittelpunkt der Welt. Und das merkt man.