Wo das Oel das Land regiert

Die Petroleros de Venezuela (PdV S.A.) sind das wichtigste Unternehmen des Landes, denn in ihren Topf fliessen die meisten Oeleinnahmen, aus diesem Topf finanziert die Regierung ihre Sozialprogramme, hier laeuft alles zusammen. Hinter Gitterzaeunen (natuerlich roten) liegen riesige Firmenareale, die immer groesser werden, je mehr Zuliefererfirmen verstaatlicht und in den Koloss einverleibt werden.

Edgar Cardenas ist selbststaendiger Oekonom und Wirtschaftsberater, hat frueher selbst fuer die Zentralbank gearbeitet und steckt sehr tief drin in den Komplikationen, die das Oel fuer dieses Land bedeutet. Eine seine Erklaerungen lautet so: Normalerweise muessen Staaten, damit sie ihre Ausgaben finanzieren koennen, Steuern einnehmen und diese vor dem Parlament rechtfertigen.

Das ist hier aber nicht noetig, da so viel Geld ohne jegliche Anstrengung der Regierung oder der Arbeitsbevoelkerung ins Land fliesst. Bis 1920 war die Volkswirschaft von Landwirtschaft gepraegt. Doch heute kommen mehr als 90 Prozent der Einnahmen des Landes aus der Oelindustrie, die Abhaengigkeit wird nicht geringer. Denn niemand hat ein Interesse daran, die Abhaengigkeit zu reduzieren, so lange das Oel noch fliesst. Was danach passiert, weiss keiner so genau.

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Wohnung ohne Wasser

Das Barbie-Bett mit Abendessen

Was genau die Mittelschicht ist, wird wohl eine Definitionsfrage bleiben. Über die man sich streiten muss. Fakt ist, dass sie Mittelschicht in Venezuela anders lebt als die deutsche. Und ich nun mit ihr lebe.

Sandra, ihr Mann Yorbis, und die kleine Mariel wohnen im Stadtteil La Limpia von Maracaibo. Limpia heißt sauber, was für die Wohnung zutrifft, auf den Stadtteil aber nicht.

Neonröhren beleuchten das Wohnzimmer, in dem man steht, sobald man die Wohnung betritt. Genutzt wird es nicht, denn die drei verbringen ihre Abende auf dem Bett vor den jeweiligen Fernsehern. Mariel muss am kleinen Tisch in der Küche zu Abend essen, Papa Yorbis ist Taxifahrer und bekommt das Abendessen von seiner Frau ans Bett gebracht.

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Tief im Westen

Die Sonne verstaubt hier auch, denn es ist heiß. So heiß, wie sonst nirgendwo im ganzen Land. Und trotzdem ist Maracaibo besser als man glaubt, denn es ist die Hauptstadt des reichsten Staates des Landes, Zulia.

Hier wurde 1914 zum ersten Mal Öl entdeckt und kurze Zeit später stürzte die ganze Welt auf Venezuela ein, um daran mitzuverdienen. Gefördert wird aus dem Lago Maracaibo, einem der größten Seen des Kontinents.

Der Maracaibo-See von oben

Dass ihm das nicht gut getan hat, kann man schon vom Flugzeug aus erkennen. Grüne Dreck- und Ölschlieren ziehen sich durchs Wasser. Umweltverschmutzung ist eines der Probleme, die meist einhergehen mit der massiven Ausbeutung von Bodenschätzen. Weil bisher das meisten Öl des Landes hier gefördert wurde, haben die Menschen in Zulia das Gefühl, sie würden das Geld verdienen, das in der Hauptstadt von der Regierung ausgegeben wird. Das mag auch tatsächlich so sein. Denn der informelle Sektor der Wirtschaft ist hier sehr klein im Vergleich zum Rest des Landes. In Caracas stehen an jeder Ecke Bananen- und Melonenverkäufer, sie weder irgendwo registriert sind, geschweige denn Steuern zahlen. Es gibt Frauen, die mit Telefonen auf dem Schoß nebeneinander an der Straße sitzen und einzelne Zigaretten verkaufen, wenn gerade niemand telefonieren will. In Zulia dagegen werden die großen Geschäfte gemacht. Man trifft sich im Yacht-Club am See, in klimaanlagengekühlten Räumen und spricht über das große Geld und wie man es vor dem Staat in Sicherheit bringen könnte. Man lebt hinter hohen Mauern mit Stacheldraht und erzählt sich, wer in den letzten Tagen wieder an welcher Ecke überfallen wurde. Weiterlesen